Ether, 2021

 

“ Mit Orten, die sich im Wandel befinden oder im Begriff sind, zu verschwinden beschäftigt sich die Künstlerin und Architektin Claire Laude. Mittels Fotografien, Installationen, Zeichnungen und Texten erforscht sie die unterschiedlichen Funktionen dieser verlassenen Gelände oder zum Abriss bestimmten Architekturen und sucht nach eingeschriebenen Handlungen sowie sichtbaren und immateriellen Spuren. Ausgehend von einer formalen Recherche dekontextualisiert sie vorgefundenes Material und baut daraus abstrakte Installationen, die auf die jeweiligen Orte und ihre Verletzlichkeit verweisen. Für Biscuit bespielt Claire Laude eine versteckte Ebene, die einst durch das Abhängen der Decke entstanden ist – ein Raum über dem Raum, auf den halb verdeckte Fenster im Ausstellungsraum hinweisen. Über eine kleine Lücke verschaffte die Künstlerin sich Zugang zu dem leeren, nicht betretbaren Hängeboden. Mit einer selbstgebauten Camera Obscura, die sie für 24 Stunden aufnehmen ließ, entstand eine bewusst unterbelichtete Fotografie als Zeichen, Andeutung auf den unsichtbaren Raum. In ihrer ortsspezifischen Videoarbeit Ether zündete die Künstlerin ein weißes Rauchsignal in dem vergessenen Zwischenareal. Zu Beginn des Schwarz-Weiß-Videos sieht man sichtbare Spuren der Zeit, Holzbalken, Haken an der Decke und Kabelstränge. Dann füllt sich der Hängeboden erst langsam und plötzlich explosionsartig mit waberndem, weißem Rauch. Unterschiedliche Wolkenformationen rollen auf die Betrachter:innen zu, verdichten sich zu einem immersiven Erlebnis, um schließlich den Raum gänzlich abzudunkeln. An der Grenze der Erde zur Unendlichkeit des Himmels angesiedelt, stehen Wolken als ephemere, sich ständig wandelnde und in ihrer Entwicklung unvorhersehbare Naturerscheinungen für die Grenzen des menschlichen Verständnisses. Die Herstellung einer künstlichen Wolke verweist letztendlich aber auch auf die Anmaßung des Menschen, in die natürlichen Prozesse der Welt einzugreifen sowie auf zeitgenössische Bedrohungen wie die Klimakrise, Naturkatastrophen oder menschengemachte giftige Abgase, atomare Explosionen oder Industrierauch. “

Lena Fliessbach, Text zur Ausstellung „Biscuit“, pilote, p145, Berlin, 2021

 

Ether, 2021- Video stills- HD Video, Color & Black&White, no sound, 2:49

Picture realized with a Camera Obscura, Fine Art Print on Arches Velin BFK Rives Edition d‘Art, 250g, 38,5*50 cm

Site-specific intervention in a hidden and invisible space above the exhibition’s space.

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